Black History Month

Mit dem Black History Month wird jedes Jahr im Februar die Geschichte Schwarzer Menschen diskutiert und gelehrt. Eigentlich wird er vor allem in den USA und Kanada gefeiert, doch die afrodeutsche Geschichte ist ebenfalls lang und beeindruckend. Deswegen machen wir mit! Für mehr Sichtbarkeit und Anerkennung wichtiger deutscher Persönlichkeiten.

Dazu haben wir euch diesen Februar einmal die Woche eine Person aus der Umgebung vorgestellt. In diesem Beitrag haben wir alle Texte für euch zusammengetragen.

Tipps zum Einstieg ins Selbststudium

Wollt ihr euch selbst schlaumachen über Schwarze Geschichte und euch näher mit dem Thema Antirassismus beschäftigen? Hier ein paar Tipps für den Einstieg:

Tupoka Ogette ist Trainerin und Beraterin im Bereich Rassismuskritik. Ihr Buch Exit Racism ist perfekt um sich mit dem eigenen verankerten Denkweisen zu befassen und antirassistisch aktiv zu werden, es ist speziell an weiße Menschen gerichtet. Das Buch ist auch als Hörbuch auf Spotify und Deezer zu finden. Tupoka Ogette ist aber auch auf Social Media sehr aktiv und klärt mit Formaten wie dem Rassismuskritischenalphabet auf. Außerdem spricht sie in ihrem Podcast, dem Tupodcast, mit anderen Schwarzen Frauen über verschiedenste Themen, aber immer auch über Rassismus und Empowerment. Auf ihrer Website gibt es noch mehr Infos: Macht euch bereit unglaublich viel zu lernen und erleben und vor allem zu reflektieren und wachsen mit Tupoka Ogette.

Weitere wichtige in Deutschland sind: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten von Alice Hasters und Deutschland Schwarz Weiß von Noah Sow.

Wenn euch diese Bücher (bald) nicht mehr reichen, hat die Aktivistin, Autorin und Anti-Rassismus AktivistIn Rachel Elizabeth Cargle eine Community Booklist mit über 900 Werken gesammelt, die helfen können die eigene Bücher-Sammlung zu entkolonisieren. Sie hat auch einen eigenen Buchladen, in welchem gestöbert werden kann, sowie zahlreiche andere Projekte die für Antirassismus kämpfen.

Tebalou setzt sich für Diversität im Kinderzimmer ein, postet aber auch auf Social Media kritische Überlegungen zu Geschichte, berühmten Persönlichkeiten und Rassismus, wobei sicher nicht nur Kinder etwas lernen.

Alle diese Personen können viel mehr zu Anti-Rassismus und Schwarzer Geschichte erzählen als wir es je könnten, weit über den Black History Month hinaus. Also folgt ihnen, hört zu, bildet euch weiter, lernt antirassistisch zu handeln von BIPOC selbst, statt nur von weißen Aktivist*innen zu lernen.

Anton Wilhelm Amo

Anton Wilhelm Amo war ein afrodeutscher Philosoph und Universitätslehrer.Anton Wilhelm Amo wurde etwa 1703 in Nkubeam in Axim, dem heutigen Ghana geboren. Er wurde als Kind von der Niederländisch-Westindischen Gesellschaft versklavt und nach Amsterdam verschleppt, wo er Anton Ulrich von Braunschweig und Lüneburg-Wolfenbüttel „geschenkt“ wurde, der ihn als „Kammerm*****“ eingesetzt wurde. 1721 wurde er konfirmiert und bekam so seinen deutschen Namen, hat aber kurioserweise seinen afrikanischen Nachnamen behalten dürfen. Er besuchte neben seiner Arbeit am Hof wohl eine allgemeinbildende Schule, vermutlich die Ritterakademie in Wolfenbüttel. Ab 1727 studierte er Philosophie und Jura in Halle. Dort hielt er auch seine Disputation zum Thema Rechtstellung von Schwarzen Menschen in Europa, ein verschollenes Schriftstück, welches neben seiner Dissertation zum Leib-Seele Problem zu seinen wichtigsten Schriften zählt. 1730 erhielt er sein Magister in Philosophie und den Freien Künsten. Danach zog er nach Wittenberg, wo er Psychologie, Physiologie und Medizin studierte, welche er ebenfalls mit einem Magister abschloss.

Er sprach sechs Sprachen und gehörte zu den philosophischen Strömungen des Rationalismus und Materialismus.1739 bekam er die Erlaubnis, an der Universität Jena Philosophie zu lehren. Danach ist es still um Amo. Es ist bekannt, dass er 1747 nach Ghana zurückkehrte. Er zog in die Näher seines Geburtsortes, nur Schriften eines Schweizer Schiffsarztes gründen von seinem Leben dort, wo er vermutlich als Wahrsager arbeitete. Später zog er in die holländische Festung Shama, ein Sklavenfort. Das lässt spekulieren, dass es kein freiwilliger Umzug war. Er stirbt unter ungeklärten Umständen in den 1750ern in Shama.

Teilweise wird über Amo geschrieben, als habe er ein großes Glück gehabt, als Sklave diese Möglichkeiten bekommen zu haben. Die Ausbildung wurde Amo mit hoher Wahrscheinlichkeit aber nicht aus Großzügigkeit gewährleistet, stattdessen sollte wohl getestet werden, inwiefern Schwarze Menschen sich intellektuell bilden können. Also nichts, was Deutschland weniger rassistisch und die Sklaverei, in der sich Amo befand, weniger barbarisch machte.

Die Errungenschaften Amos sind zwar weniger bekannt, dennoch gehört er zu den bedeutenden Philosoph*innen. Ihm zu Ehren wird Studierenden bei besonderen wissenschaftlichen Leistungen seit 1994 der Anton Wilhelm Amo Preis verliehen.

Quellen:
https://ndsafrika.hypotheses.org/25
https://www.monopol-magazin.de/anton-wilhelm-amo…

May Ayim

May Ayim war eine afrodeutsche Dichterin, Aktivistin und Sprachtherapeutin. May Ayim wurde mit dem Namen Sylvia Andler am 3. Mai 1960 in Hamburg geboren. Sie wurde als Kleinkind von der (weißen) Familie Opitz adoptiert und lebte mit dieser in Münster. Ihr leiblicher ghanaischer Vater, besuchte die Pflegefamilie mehrmals, weswegen ein unregelmäßiger Kontakt bestand. Ayim bezeichnete Ghana als ihr „Vaterland“.

Nach dem Abitur studierte sie an der Universität Regensburg Pädagogik und Psychologie. Ihre Abschlussarbeit trug den Titel: 𝘈𝘧𝘳𝘰-𝘋𝘦𝘶𝘵𝘴𝘤𝘩𝘦: 𝘐𝘩𝘳𝘦 𝘒𝘶𝘭𝘵𝘶𝘳- 𝘶𝘯𝘥 𝘚𝘰𝘻𝘪𝘢𝘭𝘨𝘦𝘴𝘤𝘩𝘪𝘤𝘩𝘵𝘦 𝘢𝘶𝘧 𝘥𝘦𝘮 𝘏𝘪𝘯𝘵𝘦𝘳𝘨𝘳𝘶𝘯𝘥 𝘨𝘦𝘴𝘦𝘭𝘭𝘴𝘤𝘩𝘢𝘧𝘵𝘭𝘪𝘤𝘩𝘦𝘳 𝘝𝘦𝘳ä𝘯𝘥𝘦𝘳𝘶𝘯𝘨𝘦𝘯. Der zuständige Professor lehnte die Prüfung der Diplomarbeit ab mit der Begründung: „Rassismus gibt es im heutigen Deutschland nicht“. Ayim fand eine andere Prüferin und schloss das Studium 1986 ab.

Schon ab 1984 lebte May Ayim in Westberlin und war das Gründungsmitglied der 𝘐𝘯𝘪𝘵𝘪𝘢𝘵𝘪𝘷𝘦 𝘚𝘤𝘩𝘸𝘢𝘳𝘻𝘦 𝘋𝘦𝘶𝘵𝘴𝘤𝘩𝘦 𝘶𝘯𝘥 𝘚𝘤𝘩𝘸𝘢𝘳𝘻𝘦 𝘪𝘯 𝘋𝘦𝘶𝘵𝘴𝘤𝘩𝘭𝘢𝘯𝘥 und 1989 Mitgründerin des 𝘓𝘪𝘵𝘦𝘳𝘢𝘵𝘶𝘳𝘍𝘳𝘢𝘶𝘦𝘯 𝘦.𝘝.

1987 begann sie eine Ausbildungs zur Logopädin. Zum Abschluss dieser verfasste sie wieder eine politische Examensarbeit mit dem Thema 𝘌𝘵𝘩𝘯𝘰𝘻𝘦𝘯𝘵𝘳𝘪𝘴𝘮𝘶𝘴 𝘶𝘯𝘥 𝘚𝘦𝘹𝘪𝘴𝘮𝘶𝘴 𝘪𝘯 𝘥𝘦𝘳 𝘚𝘱𝘳𝘢𝘤𝘩𝘵𝘩𝘦𝘳𝘢𝘱𝘪𝘦.

May Ayim erlitt schon seit der Kindheit psychische Belastungen. Als sie 1996 zusätzlich die Diagnose von Multipler Sklerose erhielt, nahm sie sich am 9. August 1996 in Berlin das Leben.

May Ayim gilt als Pionierin der kritischen Weißseinsforschung in Deutschland: Sie knüpfte Kontakte zur internationalen Schwarzen Frauenbewegung, unter Anderem zu Audre Lordre. Lorde war es auch, die sie ermutigte das elementare Werk 𝘍𝘢𝘳𝘣𝘦 𝘣𝘦𝘬𝘦𝘯𝘯𝘦𝘯 mit Katharina Oguntoye und Dagmar Schultz zu publizieren. In Gedichtbänden wie 𝘉𝘭𝘶𝘦𝘴 𝘪𝘯 𝘴𝘤𝘩𝘸𝘢𝘳𝘻 𝘸𝘦𝘪ß drückte sie sich lyrisch zum Thema Diskriminierung aus, als Sprachtherapeutin setzte sie sich mit der Gewalt von Sprache auseinander, als Aktivistin gestaltete sie die Schwarze Community mit.

May Ayims Aktivismus war vielfältig und laut, sodass sie zu den wichtigsten Stimmen der afrodeutschen Bewegung gehört – und noch immer gehört wird.

Peggy Piesche

Peggy Piesche ist eine deutsche Kultur- und Literaturwissenschaftlerin.Piesche wurde 1968 in Arnstadt , der damaligen DDR geboren. Sie studierte 1987 Russisch und Deutsch auf Lehramt. Nach dem Mauerfall zog Piesche nach Tübingen und studierte ab 1990 Neuere deutsche Literatur, Antike Geschichte und Philosophie.Danach lehrte und arbeitete sie deutschlandweit an vielen Universitäten und mit verschiedenen Schwerpunkten, wie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, wo sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin das Projekt 𝘉𝘭𝘢𝘤𝘬 𝘌𝘶𝘳𝘰𝘱𝘦𝘢𝘯 𝘚𝘵𝘶𝘥𝘪𝘦𝘴 koordinierte.

Von 2013 bis 2016 arbeitete sie außerdem an der Academy of Advanced African Studies der Universität In Bayreuth. Dort forschte und lehrte sie zu den Themen Verschränkungen von Diaspora und Translokalität, Performativität von Erinnerungskulturen sowie Black Feminist Future Studies und Critical Race/Whiteness Studies.Zwischendurch lebte Piesche in den Vereinigten Staaten und lehrte dort ebenfalls an Universitäten.

2017 wechselte sie zum Gunda-Werner-Institut für Feminismus und Geschlechterdemokratie der Heinrich-Böll-Stiftung. Sie arbeitete dort als Referentin zu reproduktiver Gerechtigkeit und intersektionaler Erinnerungspolitik. Seit 2019 ist Piesche als Referentin für Diversität, Intersektionalität und Dekolonialität bei der Bundeszentrale für politische Bildung tätig.

Neben all diesen akademischen Tätigkeiten engagiert sie sich aktivistisch: Sie ist seit 1990 Mitglied des 𝘈𝘋𝘌𝘍𝘙𝘈 𝘦.𝘝.- 𝘚𝘤𝘩𝘸𝘢𝘳𝘻𝘦 𝘍𝘳𝘢𝘶𝘦𝘯* 𝘪𝘯 𝘋𝘦𝘶𝘵𝘴𝘤𝘩𝘭𝘢𝘯𝘥, wo sie auch lange ehrenamtliches Vorstandsmitglied war. Sie arbeitete dazu auch in der wissenschaftlichen Fachgruppe 𝘋𝘪𝘷𝘦𝘳𝘴𝘪𝘧𝘺𝘪𝘯𝘨 𝘔𝘢𝘵𝘵𝘦𝘳𝘴. Diversifiying Matters hat unter Anderem für den Berliner Senat Maßnahmen zur Umsetzung der UN-Dekade für Menschen Afrikanischer Herkunft erarbeitet.

Piesche vereint durch ihre Lebensrealitäten – als Schwarze, lesbische Frau, die in der DDR aufgewachsen ist – verschiedene Perspektiven. Durch ihre wissenschaftliche, forschende Arbeit stellt sie diese heraus, durch ihr aktivistisches Engagement kräftigt sie diese und trägt sie in die Welt heraus.

Maisha-Maureen Auma

Maisha-Maureen Auma ist eine Professorin im Bereich der Diversity Studies. Von 1992 und 1995 studierte sie Sozialpädagogik in Kiel, darauf studierte sie bis 2001 Erziehungswissenschaften, Soziologie und Psychologie, ebenfalls in Kiel. Im Jahr darauf unterrichtete sie an der Humboldt Universität zu Berlin im Bereich Gender Studies. Seit 2008 ist Auma Professorin für Kindheit und Differenz an der Hochschule Magdeburg-Stendal in Stendal. Wie Peggy Piesche ist sie ebenfalls Mitglied bei ADEFRA e.V. – Schwarze Frauen in Deutschland.

Sie wurde von Veranstalter*innen vielfach als Expertin eingeladen, auch in den Medien hat sie eine hohe Präsenz und war Gast bei zahlreichen Talkshows.

Im Dezember 2020, war sie im Interview mit dem Tagesspiegel zu den Themen Intersektionalität und strukturellen Rassismus. Dort kritisierte sie, dass es an deutschen Hochschulen „zu wenige Schwartze und People of Colour Professor*innen“ und „wissenschaftliches BPoC-Personal in dauerhaften Anstellungen“ gebe.

Darauf wurden viele rassistische Anfeindungen laut, diese folgten wahrscheinlich in diesem Ausmaß auf die Äußerungen des im Landtag Sachsen-Anhalt tätigen Afd Abgeordneten Hans-Thomas Tillschneider, welcher ihr Inkompetenz zum Thema strukturellen Rassismus vorwarf und ihre Aussagen als Rassismus gegen Weiße (den es übrigens nicht gibt) bezeichnete.

722 Wissenschaftler*innen forderten daraufhin in einem gemeinsamen Brief an den Deutschen Hochschulverband Solidarität mit Auma. Zahlreiche Institutionen und Vereine, wie auch die Hochschule Magdeburg-Stendal solidarisierten sich auch öffentlich nach den Anfeindungen gegen Auma und verurteilten die Diskriminierung, die sie dadurch erfuhr.

So war Präsenz des Themas Anti-Rassismus im Neujahr groß. Maisha-Maureen Auma ist eine der Personen die sich dafür einsetzt, dass der Blick auf Anti-Rassismus nicht auf skandalöse Events und öffentliche Diffamierung begrenzt bleibt, sondern in jeder Institution und in allen Köpfen fest verankert wird.

Jeden Tag antirassistisch Handeln

Schwarze Geschichte gibt es schon immer und wird jeden Tag weiter geschrieben. Der Beitrag Schwarzer Menschen zur Geschichte wird aber unsichtbar gemacht, versteckt oder als irrelevant bezeichnet.
Es ist schwer sich an Erwähnung der Rolle Schwarzer Menschen im Schulunterricht zu erinnern: Der Kolonialismus Deutschlands wird heruntergespielt, stattdessen wird auf England verwiesen und auf die USA, wo es „wirklich“ Rassismus, „wirklich viel“ Sklaverei gab.
Selbst wenn es diese Leugnung der furchtbaren Taten Deutschlands nicht gäbe: Wo bleiben die Errungenschaften Schwarzer Menschen? Warum geht es immer nur um Sklaverei und Unterdrückung? Wo ist all das, was geleistet wurde, uns als Menschheit kulturell und wissenschaftlich bereichert hat? Die Geschichte wird einseitig betrachtet, und das ist ein Problem der Lehrpläne und Programme von Institutionen wie auch von jeder einzelnen Person. Es fehlen vielfältige Perspektiven und es gilt, das gemeinsam zu ändern.

Für Schwarze Personen mag der Black History Month auch ein Tag der Zelebration sein. Für weiße Menschen sollte er aber die Aufforderung sein, tiefer nach all dem zu graben, was keine Erwähnung in den Geschichtsbüchern, Nachrichten und Medien findet. Er soll dazu anregen, eigene Lücken zu schließen, die durch einseitige weiße Perspektiven entstanden sind, und die weiter entstehen, wenn nicht ständig an sich gearbeitet wird.

Weiße Menschen sollen sich aktiv kritisch mit den eigenen Privilegien und der eigenen Rolle in einem rassistischen System auseinandersetzen, und das nicht einen Monat im Jahr, sonder jeden Tag

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