41 Jahre Schweigen sind genug! Opfern rassistischer Gewalt ein Denkmal bauen!

Rückblick auf die Demo und Gedenkveranstaltung am 12. August 2020

Die Initiative 12. August, die sich aus engagierten Menschen aus dem Saalekreis, Halle und Leipzig zusammensetzt, lud vergangenen Mittwoch zu einer solidarischen Demonstration und Gedenkveranstaltung in Merseburg ein. Auch wir waren dabei und möchten unsere Eindrücke schildern.

Es ist erneut ein brütend heißer Sommertag, die Sonne brennt vom Himmel. Das hält über 130 solidarische Menschen nicht davon ab, sich um 17 Uhr auf dem Bahnhofsplatz in Merseburg zu versammeln, um den kubanischen Gastarbeitern Raúl Garcia Paret und Deflin Guerra zu gedenken.

Die beiden jungen Männer wurden 1979 von einem rassistischen Mob in den Tod getrieben. Die Tat ist bis heute nicht vor Gericht geklärt, keine Täter_innen wurden verurteilt. Die Initiative 12. August versucht seit über einem Jahr, die Ermittlungen wieder aufleben zu lassen, sodass endlich für Gerechtigkeit gesorgt wird. Denn Mord verjährt nicht.

Die Demonstration der Initiative 12. August zieht durch Merseburg.
An der Demo beteiligten sich etwa 130 Menschen.

Unsere Demoroute verläuft mitten durch die Innenstadt: Die König-Heinrich-Straße in Richtung Süden, ein Zwischenstopp vor der Stadtverwaltung, durch die Einkaufsstraße Gotthardstraße, wo Menschen an Tischen vor dem Eiscafé und dem Griechischen Restaurant sitzen, zum Platz an der Stadtkirche, dem Entenplan. Nach zwei bewegenden Redebeiträgen bewegt sich der Demozug zur B181-Brücke über die Saale, dem Ort, an dem Raúl Garcia Paret und Delfin Guerra vor der gewalttätigen Menge in den Fluss sprangen und schließlich ertranken.

Unbekannte haben dort unter der Brücke eigenhändig das Denkmal geschaffen, das die Stadt Merseburg den Todesopfern bislang nicht setzen möchte: An der 20m langen Wand stehen in großen Lettern die Namen der Männer, untertitelt mit dem Satz „von einem rassistischen Mob ermordet“. Das Graffiti wird von den Gesichtern der beiden Kubaner umrahmt.

Hier endet die Demonstration und die Gedenkveranstaltung beginnt. Drei ostdeutsche Frauen of Colour vom unSichtbar Netzwerk für Women of Colour Magdeburg halten einen emotionalen Redebeitrag, der das Aufwachsen als Schwarzes Kind in der DDR und den erlebten Rassismus damals wie heute thematisiert. Die Menge hört gebannt zu, über ihr rauschen vereinzelt Autos die Bundesstraße entlang, die Saale fließt gemächlich vorbei.

Schweigend, mit Blumen in den Händen, ziehen wir über die Bundesstraße auf die andere Uferseite. Hier stand früher die Disco, in der die Situation am 12. August 1979 eskalierte.

Drei der Organisator_innen verlesen einen Brief der Familie von Raúl Garcia Paret auf Spanisch, Englisch und Deutsch. Die Angehörigen sind der Initiative 12. August dankbar für ihre Versuche der Aufklärung, denn hatte man der Familie auf Kuba damals das Märchen eines Arbeitsunfalls aufgetischt und sie über die wahren, gewaltsamen Todesumstände im Dunkeln gelassen.

Nach einer gemeinsamen Schweigeminute legen die Teilnehmenden die Sonnenblumen und Rosen am Ort des Gedenkens nieder. In andächtiger Stimmung endet hier an der Saale, umringt von verwilderter Natur, die Veranstaltung.

Wir möchten der Initiative 12. August und allen Redner_innen unseren Dank und unsere Anerkennung aussprechen. Ihr leistet unersetzliche Arbeit, die viel erreichen kann und nicht vergessen werden wird. Die Stadt Merseburg wird den Opfern rassistischer Gewalt dank eurer Aufklärungsarbeit ein Denkmal bauen müssen.

In Gedenken an Raúl Garcia Paret und Delfin Guerra, die am 12.08.1979 durch einen rassistischen  Mob zu Tode kamen.

Weitere Infos zu den Hintergründen und Aktuelles findet ihr auf der Webseite der Initiative 12. August: initiative12august.de

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